Phänomenologie und Analyse virtueller Raumgebilde (1/17)
Phänomenologie ist für uns das, was die Gestaltpsychologen darunter verstanden haben. Soweit wir jetzt das unmittelbar Gegebene erforschen, d. h. die phänomenale oder anschauliche Welt, erfordert dies von uns ein sachgemäßes Verhalten. Die Forderung, die Wolfgang Metzger (Psychologie. 2. Auflage, Darmstadt, 1954, S. 12) an uns richtet, lautet: "Das Vorgefundene zunächst einfach hinzunehmen, wie es ist; auch wenn es ungewohnt, unerwartet, unlogisch, widersinnig erscheint und unbezweifelten Annahmen oder vertrauten Gedankengängen widerspricht. Die Dinge selbst sprechen zu lassen, ohne Seitenblicke auf Bekanntes, früher Gelerntes, 'Selbstverständliches', auf inhaltliches Wissen, Forderungen der Logik, Voreingenommenheiten des Sprachgebrauchs und Lücken des Wortschatzes. Der Sache mit Ehrfurcht und Liebe gegenüberzutreten, Zweifel und Mißtrauen aber gegebenenfalls zunächst vor allem gegen die Voraussetzungen und Begriffe zu richten, mit denen man das Gegebene bis dahin zu fassen suchte." Auch wenn man den Geltungsanspruch der gestaltpsychologischen Wahrnehmungslehre einschränken muß, weil schon das untersuchte Reizmaterial viel zu einseitig ist, machen wir uns solche Einstellung voll und ganz zu eigen. So werden uns virtuelle Sachverhalte zugänglich, und das hat wiederum Leitfunktion für die notwendige Bedingungsvariation.
Es heißt also nicht, daß man sich auf die Beschreibung des anschaulich Gegebenen beschränken soll. Einsicht in Wirkungszusammenhänge ergeben sich, wenn man die Resultate vieler Versuche miteinander vergleicht.
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