Phänomenologie und Analyse virtueller Raumgebilde (13/17)
Beim Aufbau des Raumbildes geschieht es, daß der optische Sinn die gleiche Reizgrundlage mehrfach verwertet. Obigem Beispiel ist entnehmbar, daß die virtuelle Farbe der überspannenden Folie zugleich als Qualität der darunter befindlichen Stellen auftritt. Nach Fusion der Teilbilder von K-014, womit wir die Kugelform virtuell verbildlichen, durchdringt unser Blick (im phänomenologischen Sinne) die durchsichtige und konvexe Außenfläche auf der näheren Seite, gelangt in das anschaulich vorhandene Forminnere und erfaßt gleichzeitig die konkave Außenfläche der abgewandten Seite. Die Kreisfläche der realen Bildvorlage wird quasi für den virtuellen Aufbau verdoppelt und gegenteilig ausgestaltet. Dem Betrachter wird empfohlen, mehr Aufmerkamkeit auf das Innere der Kugelform zu richten, falls ihm das Formäußere nicht auf Anhieb rundum geschlossen erscheint. Einen Hinweis auf solch mehrfache Verwertung eines optischen Reizes geben uns schon die sogenannten Restbilder („Geisterbilder”) beim Betrachten von Anaglyphen mit der Gegenfarbenbrille. Die gleiche Information steckt dort im virtuellen Raumobjekt und im verbleibenden Restbild. An einer waagrechten Punktreihe, deren erster Punkt rot ist, während die folgenden Punkte grün sind, erleben wir mit der Gegenfarbenbrille ein Raumbild, bei dem sich zugleich viele Punkte von einer Bodenfläche meßbar abheben. Der rote Punkt dient offensichtlich nicht nur einem Fusionspartner. Die virtuelle Höhe jedes Punktes bestimmt sich nach dem realen Abstand zum vorangehenden Teilbildelement.
Auseinanderhalten muß man die Randgestalt einer Fläche und deren Binnenfarbe. Geringere oder größere Formähnlichkeit hat nun darauf Einfluß, was für eine Funktion eine solche Binnenfarbe im virtuellen Raumbild annimmt. Als verbindendes Element kann sie alle übrigen Flächenteile zur umfassenderen Einheit zusammenschließen. Dies tritt bevorzugt ein, wenn eine größere Fläche und eine kleinere Fläche, die im Raumbild davor oder dahinter plaziert ist, eine formgleiche Randgestalt besitzen (T-001, T-002, T-005 bis T009, U-001, U-002, U-005 bis U-009). Die oben erwähnte Kantenbildung bei eckiger Randgestalt sticht deutlicher hervor, wenn man wieder beide Teilbilder verkleinert und die Kleinformate freiäugig oder mit einem Linsenstereoskop betrachtet. weiter