Phänomenologie und Analyse virtueller Raumgebilde (2/17)
Zusammenhänge suchen wir mit Beispielen aus unserer Teilbildsammlung veranschaulichend zu belegen. Darin ist jedes Fusionspaar einer passenden Gruppe zugeordnet, für die ein bestimmter Buchstabe steht. Dreistellige Ziffern mit dem Zusatz "kl" (klein) oder "gr" (groß) kennzeichnen das Einzelpaar. Der Zusatz gibt an, ob man ein Teilbild für die Auflagefläche des Winkelstereoskopes verkleinern muß oder ob es sich um ein Teilbild für Farbmonitor oder Wand handelt. Neue Teilbilder werden einfach in eine Gruppe eingereiht und mit einer freien Ziffer versehen. Was wir bislang zusammengetragen haben, ist erst der Anfang einer späterhin umfänglicheren Sammlung. Gewiß bedarf es irgendwann einer sinnvollen Umgruppierung. Dem untersuchenden Betrachter sei es hier überlassen, Teilbilder weiter abzuwandeln. Dabei darf er erwarten, daß sich ihm neue Phänomene offenbaren.
Wie uns alltägliche Erfahrung lehrt, gibt es Raumerlebnisse, die nicht auf Verwertung der Querdisparation beruhen. Das Orientierungsvermögen des Einäugigen im realen Raum beweist es. Der räumliche Eindruck, den wir beim normalen zweiäugigen Sehen zwingend haben, wird eben nicht durch Querdisparation begründet, sondern dadurch nur intensiviert. Verbessert wird unsere Fähigkeit, die im realen Nahbereich wahrgenommenen Dinge zu lokalisieren. Ein Raumeffekt tritt, wie Wolfgang Metzger an Bild 246 in "Gesetze des Sehens" zeigt, auch am Flachbild mit strahlenförmig angeordneten Balken auf. Beim einäugigen Betrachten nach Anweisung erheben sich auf dem Papier kleine Pfosten senkrecht in die Luft. Der Qualitätssprung vom räumlichen Vorstellen zum echten Raumerlebnis findet genauso statt, sobald das perspektivisch gezeichnete Schema einer Zimmerecke zum Betrachten nahe genug vor das eine Auge geführt wird. Anschauen mit dem Doppelauge aktiviert demgegenüber eine hemmende Funktion. Dergleichen Eindruck stellt sich ebenfalls ein, solange man die untere Hälfte von F-001-gr unserer Sammlung einäugig aus geringer Nähe betrachtet. Bei nachfolgender Öffnung des zweiten Auges verflacht das Bild.
weiter