Phänomenologie und Analyse virtueller Raumgebilde (6/17)
Es ist längst nicht abgeklärt, wieviel die Verwertung künstlich erzeugter Querdisparation zur stereoskopischen Raumwahrnehmung beiträgt. Experimente mit einfachen geometrischen Formen bedeuten uns, daß der optische Sinn zuerst festlegt, welche Lagedifferenz beim Fusionspaar überhaupt als Querdisparation wirksam wird. Einsichtig wird uns das sofort, wenn wir das große Teilbild B-002-gr mit verschiedenen Fusionspartnern ungleicher Breitenausdehnung stereoskopisch verschmelzen. Dazu verändern wir in mehreren Versuchen den seitlichen Abstand, den die beiden Kreise voneinander haben, bestimmen erneut die Lage des Striches in der Mitte und drucken die neuen Teilbilder aus. Benötigt werden ein Ausdruck von B-002-gr auf dem üblichen DIN-A4-Papier und jeweils in gleicher Größe ein Ausdruck des Fusionspartners auf Transparentpapier. Jeder Fusionspartner wird außerdem für die Auflagefläche des Winkelstereoskopes verkleinert ausgedruckt.
Das bedruckte Transparentpapier wird auf den anderen großen Ausdruck von B-002-gr gelegt, und zwar so, daß sich die Striche in der Mitte decken. Erschließbar sind danach die räumlichen Abstände, welche die Kreise und der Einzelstrich im virtuellen Raumbild voneinander haben. Die Kreisbögen auf dem Transparentpapier mögen gegenüber jenen Kreisbögen auf dem anderen Ausdruck von B-002-gr nach links oder rechts abweichen. Daraus folgern wir, daß der optische Sinn die unterschiedliche Breitenausdehnung fusionierender Teilbilder vorausgehend mittelt und erst dadurch bestimmt, was als wirksame Querdisparation in den weiteren Verarbeitungsprozeß eingeht. An und für sich hätten sich für die Nullage auch die linken oder rechten Kreise eines Fusionspaares angeboten. Wo die kreisförmigen Teilbildelemente ganz von Rechtecken umschlossen sind, wird einfach deren Breite gemittelt. weiter