Die Teilbildsammlung soll, um es nachdrücklich zu bekunden, nicht bloß 3-D-Phänomene zum Erlebnis bringen, sondern darüber hinaus Kunstsinn wie Forschergeist anregen. Für die Wahrnehmungsforschung hat unser stereoskopisches Verfahren den entscheidenden Vorteil, daß man Teilbilder und deren Beleuchtung unter genau kontrollierbaren Bedingungen systematisch variieren kann. Erkennbar sind, was wir hier nochmals an zwei Beispielen hervorheben wollen, Raumbilddeterminanten, wodurch unsere stereoskopische Wahrnehmung beeinflußt wird. Die erkannten Determinanten sind nicht zu verwechseln mit einäugig vermittelten Informationen über den Raum. Wenn also zwei Teilbilder (siehe Teilbildsammlung) fusionieren sollen, ist es bei gleicher Querdisparation von der jeweiligen Flächengröße abhängig, ob nach der Fusion die größere Fläche durchsichtig erscheint oder ob sich stattdessen virtuell ein umschlossener Raumkörper herausbildet. Und man erlebt bei gleicher Querdisparation hintereinander befindliche Teilbildformen als innerlich zusammengehörig, wo sich die realen Teilbildformen gleichen. Formunterschiede begründen da eine Eigenständigkeit der erlebten Formen. Indem man nun die virtuellen Erscheinungen häufig genug betrachtet, schult man sich phänomenologisch, und dies ist nicht nur auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Psychologie angezeigt. Nicht zuletzt lernen wir dadurch die Qualität bestimmter Malerei zu beurteilen. Uns enthüllt sich jene Art hochwertiger Malkunst, wo beim normalen Augenabstand zur Bildebene ein durch und durch realistischer Eindruck entsteht, aber andererseits beim gleichen Bild und extrem verkürztem Betrachtungsabstand ein weitgehender Zerfall von Form, Raum und Farbe eintritt. Es gibt Zwischenstufen. Besonders aussagekräftig ist für uns die veränderte Erscheinungsweise der Farben. Ein solcher Künstler muß es gelernt haben, vom Abstand beim Malen aus “hochzurechnen“ auf die Bildwirkung bei größerem Abstand. Dieses Hochrechnen stellt sich uns dar als bedeutsame Erweiterung geistiger Fähigkeit. Wem es schließlich einsichtig ist, daß produktives und erfinderisches Denken auf innerer Einstellung basiert, die jemand durch häufig fortgesetztes Strukturieren und Umstrukturieren einübend gewinnen kann, dem ist vorstellbar, welchen weiteren Sinn das von uns beschriebene Gestalten stereoskopischer Teilbilder hat. Die von uns vorgestellte Porträtfotografie weckt vor allem den Sinn für Ästhetisches. Es ist faszinierend, wie sich Licht und Schatten auf einem Bild in Szene setzen lassen.